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Theater, Malerei und Fotografie – Zur Erprobung der Intermedialität (19.-21. Jahrhundert)

Von 15. November 2018 bis 17. November 2018

Internationales Symposium

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Universität Toulouse 2-Jean Jaurès (UT2J, CREG/EA4151), in Zusammenarbeit mit der Universität Straßburg (EA 1341) und dem Institut für Theaterwissenschaften der Universität Mainz

Wissenschaftliche Leitung:
Hilda Inderwildi (CREG/EA 4151, UT2J), Emmanuel Béhague (EA 1341, Universität Straßburg)

Organisationskomitee:
Hilda Inderwildi (CREG/EA 4151, UT2J), Emmanuel Béhague (EA 1341, Universität Strasbourg)
Mit Unterstützung von Hélène Florea (Germanistik, Montpellier) und Friedemann Kreuder (Theaterwissenschaft, Mainz)

Wissenschaftliches Komitee:
Prof. Dr. Jean-Louis Besson (Theaterwissenschaft, Paris-Ouest-Nanterre-La-Défense)
Prof. Dr. Yasmin Hoffmann (Germanistik, Montpellier)
Prof. Dr. Friedemann Kreuder (Theaterwissenschaft, Mayence)
Prof. Dr. Sylvie Le Moël (Germanistik, Paris IV)
Prof. Dr. Jacques Lajarrige (Germanistik, Toulouse)
Prof. Dr. Jean-Marc Larrue (Theaterwissenschaft, Montréal)
Prof. Dr. Kati Röttger (Theaterwissenschaft, Amsterdam)
Prof. Dr. Dirk Weissmann (Germanistik, Toulouse)


Auftakt
Das Symposium 2018 stellt die Fortsetzung einer Tagung und eines Doktorandenseminars, die 2015-2016 stattfanden, dar.
     Am 27. November 2015 fand an der Universität Straßburg die zusammen mit Emmanuel Béhague organisierte Tagung De l’exploitation des images peintes et photographiques au théâtre dans l’espace franco-allemand („Von der Nutzung von Gemälden und Fotografien im Theater des deutsch-französischen Raums“) im Rahmen einer Partnerschaft mit dem Idex PlaTeaU-OO-XXI (Plattform für Theater und Sprachen an der Universität, Orient – Okzident) statt. Die Veranstaltung vereinte um die Organisatoren sieben Spezialisten aus dem deutsch- und französischsprachigen Raum.
   Das von Hilda Inderwildi und Emeline Jouve (Cultures Anglo-Saxonnes – CAS) geleitete fächerübergreifende Seminar der Doktorandenschule ALLPH@ (Arts, Lettres, Langues, Philosophie, Communication) der Universität Toulouse 2 - Jean Jaurès widmete sich 2015 und 2016 dem Thema der Intermedialität im Theater. In diesem Rahmen wurden acht Seminareinheiten und zwei Vorträge organisiert, die internationale Spezialisten aus den Bereichen Philosophie, Soziologie und Theaterwissenschaft vereinten, von denen einige auch am Symposion teilnehmen werden.
Vortrag von Emmanuel Wallon : "La politique culturelle au bal des arts : De la hiérarchie des genres à l'interpénétration des scènes."
Vortrag von Jean-Louis Besson et Frédéric Maurin : "Hors-scène et vidéo dans le théâtre d'Ivo van Hove : "Le Misanthrope" de Molière et "Kings of War" d'après Shakespeare

Fragestellungen und Achsen der Reflexion
       Wenn das gemalte oder das fotografierte Bild das Reelle evoziert, so flacht es dieses gleichzeitig ab und höhlt es aus, untergräbt es, indem es „die auf die Gegenwart irreduziblen Zeitverhältnisse fühlbar, sichtbar macht.“(1). Es ist Präsenz der Abwesenheit, fällt in den Bereich des Stillstands und scheint sich der Dichte und der Bewegung der Körper auf der Theaterbühne zu widersetzen, einer anderen Form von Raum und Zeitlichkeit zu entspringen. Diese Vorstellung, die auf dem vereinfachenden Prinzip des Gegensatzes von Stillstand und Bewegung beruht, trägt den komplexen wechselseitigen Beziehungen, welche Bühnenkünste und Bild seit jeher unterhalten, nicht Rechnung. So kann einerseits das Bild seine eigenen Grenzen überschreiten, indem es Bewegung suggeriert, es kann in verschiedenen Formen narrative Elemente integrieren; es kann den Anspruch erheben, selbst zur Bühne zu werden und damit das Theater in gewisser Weise zu sabotieren. Umgekehrt kann das Theater – wie dies insbesondere im sogenannten postdramatischen Theater der Fall ist – dem dramatischen oder szenischen Bild(2) einer Situation den Vorzug geben vor der Aufeinanderfolge von – kausal verknüpften oder zusammenhanglosen – Ereignissen; es kann unter anderem auch die Bilder der Welt(3) mit einer Legende versehen.
        Gegenstand des Toulouser Symposiums ist die Untersuchung der Modalitäten, nach denen Malerei und Fotografie im Theater aus ihrem Rahmen fallen, die Art und Weise, wie sie sich in der Interaktion mit den anderen (verbalen oder nonverbalen) Systemen von Sinnesproduktion potenzialisieren und manchmal zu einer radikalen Mutation des Bühnenraumes führen. Theoretische Grundlage sollen interdisziplinäre Arbeiten zur Entgrenzung der Künste in den Bereichen der Theaterforschung, der Kunstgeschichte und der Soziologie sein. Die methodologische Herangehensweise wird intermedial sein.
         Im Bereich des Dramas wird das Konzept der Intermedialität insbesondere in Verbindung mit zwei historischen Wendepunkten erforscht: Der erste ist durch die Entstehung der „hybriden“ Genres, wie Tanz- oder Musiktheater, markiert, der andere durch die Öffnung des Theaters für das bewegte Bild, zum Beispiel das Medium Video. Eine Untersuchung der Beziehungen zwischen Malerei und Fotografie einerseits und Theater andererseits – sei es im Konflikt- oder Affinitätsmodus – bedeutet demnach, einen Beitrag zur Intermedialitätsforschung zu leisten, und gleichzeitig gegen die Vorrangstellung anzugehen, die in diesem Forschungsbereich derzeit den „Neuen Medien“ eingeräumt wird.

Die Beiträge sollen die Periode ab dem „iconic turn“ (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Emergenz und der darauffolgenden Entwicklung der fotografischen und filmischen Mittel)(4) bis hin zur Jetztzeit umfassen.

Schwerpunkte der Reflexion bilden folgende Fragestellungen:

- Malerei und Fotografie als dramatische Elemente. In welchen Werken und bei welchen Autoren erscheinen Malerei und Fotografie? Welche Form und Funktion haben sie auf dramatischer und dramaturgischer Ebene? Wie lässt sich die Performativität der gemalten und fotografierten Bilder im Theater definieren?

- Das Zitat des gemalten Bilds und der Fotografie als Elemente des szenischen Dispositivs. Wie interagiert das auf der Bühne zitierte Werk mit den Körpern(5), Stimmen, Tönen und Geräuschen, etc.? Welche Disposition zu den Dingen, eventuell „Dysposition“(6) der Dinge, produzieren beide Künste?

- Malerei und Fotografie als Kompositionsmodus der Theaterarbeit. Auf welche Weise können Malerei und Fotografie als Inspirationsquellen für die Form des dramatischen Werks oder der Bühnenproduktion fungieren?

- Die „pluridisziplinaren“ Künstler (z.B. Oskar Kokoschka, Jean Cocteau, Heiner Müller, Einar Schleef, Rainald Goetz…) und die herausragenden Beispiele künstlerischer Zusammenarbeit (Reinhardt/Corinth, Zadek/Minks, Castorf/Denić und Neumann…). Inwiefern nährt die bildliche oder fotografische Aktivität bei einem Künstler die des Dramaturgen oder Regisseurs?

- Gewohnheiten und perzeptive Aspekte. Inwiefern bedingt die Integration eines Bildes in den theatralen Zeit-Raum eine Rezeption, die den traditionellen Status des gemalten oder fotografierten Werkes verändert? Welche Konsequenzen hat es für den Theaterschaffenden und die Zuschauer/Betrachter, wenn der Bühnenraum zum Kunstausstellungsraum wird? Kann man eine Typologie und eine Periodisierung dieses Betrachtungsmodus erstellen?

- Das Bild, Mainstream oder subversiv? Manchmal benutzt das Theater das Bild, um sich auf etwas künstliche Art mit neuem Leben zu füllen. Aber kann heute eine Entscheidung für Malerei und Fotografie nicht auch einem subversiven Willen entspringen? Welches Verhältnis besteht zwischen dem subversiven Charakter des Bildes und der Ästhetik der theatralen Montage als intellektuelle Rekonstruierung der Darstellung? Welchen Effekt hat die Intolerabilität des Bildes auf die Rezeption des Theaters?

- Die Fragen der Legitimität und der Dominanz der Künste: In der Ära des seit nach 1945 angekündigten und vorgeblich durch die Bilder vom Zusammensturz der Twin Towers 2001 signierten Endes der Malerei kann man sich mit Bezug auf die Studien von Uta Degner und Norbert Christian Wolf aus dem Jahre 2010(7) fragen, ob die Malerei heute nicht zu den „parasitären“ Künsten zählt, denen der Bühnenraum ein Territorium der Neueroberung und Wiedergeburt bietet. Nutzt das Theater seinerseits fotografische und filmische Bilder als Mittel, um dem Film Konkurrenz zu machen oder zumindest um sich zu erneuern?


(1) Gilles Deleuze, « Le cerveau, c’est l’écran », Cahiers du cinéma, n°380, février 1986, p. 32.
(2) Comme ce serait le cas chez un Philippe Quesne ou un Falk Richter, par exemple.
(3) Walter Benjamin, « Die kleine Geschichte der Photographie » (1931) In: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie (1935-1939). Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag (22. Auflage) 1996, p. 45-64.
(4) Gottfried Boehm (Hg.), Was ist ein Bild, München: Fink Verlag 1994. Du même, « Das Paradigma Bild: die Tragweite der ikonischen Episteme. » In: Hans Belting (Hg.), Bilderfragen: die Bildwissenschaften im Aufbruch. München: Fink Verlag 2007, S. 77-82.
(5) Sur la place, par exemple, du comédien dans les dispositifs intermédiaux, voir Izabella Pluta, L’Acteur et l’intermédialité. Les nouveaux enjeux pour l’interprète et la scène à l’ère technologique. Lausanne : L’âge d’homme, 2012.
(6) Georges Didi-Huberman, Quand les images prennent position. L’œil de l’histoire, 1, Paris, Minuit, 2009.
(7) Degner, Uta, Wolf, Norbert Christian (Hrsg.), Der neue Wettstreit der Künste: Dominanz und Legitimität im Zeichen der Intermedialität. Kultur-und Medientheorie. Bielefeld, transcript, 2010.


Tagungssprachen sind Deutsch und Französisch.

Teilnehmerländer: Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Niederlanden, Österreich

Publikation
Die Akten des Symposiums werden von den Presses Universitaires de Provence in der Zeitschrift Cahiers d’Études Germaniques veröffentlicht. Das Erscheinen ist für 2020 geplant.

Bibliographie [PDF - 318 Ko]


Ort(e) :
Universität Toulouse 2-Jean Jaurès (UT2J)

 

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